Habana, mi amor

»Der Anblick Havannas, wenn man in seinen Hafen einfährt«, schrieb Alexander von Humboldt Anfang des 19. Jahrhunderts, »ist heiter und malerisch wie kein anderer an den Küsten des äquinoktionalen Amerika nördlich des Äquators. (...) Hier mischt sich eine Anmut, wie wir sie von den Kulturlandschaften unserer Klimata kennen, mit der für die heißen Zonen charakteristischen organischen Kraft ...«

Der kubanische Schriftsteller Alejo Carpentier charakterisiert Havanna als eine Stadt, die einen »Stil des Stillosen« hervorgebracht habe, der sie von allen anderen Städten des Kontinents unterscheide. Unverwechselbar sei vor allem eine seltsame Konstante im Stadtbild Havannas: »Die unglaubliche Fülle von Säulen in einer Stadt, die ein wahrer Säulenstapelplatz, ein Säulenurwald, eine endlose Kolonade geworden ist, die letzte Stadt, die Säulen in solcher Überfülle besitzt - Es muß nicht eigens daran erinnert werden, daß ein Fußgänger in Havanna von der Hafenfestung bis in die Außenbezirke der Stadt wandern, daß er das ganze Zentrum, die alten Pflasterstraßen Monte oder Reina durchwandern (...) könnte und sich dabei immer in ein und derselben, sich stets erneuernden Kolonade befände.«

Dort, wo sich heute der schönste Platz Havannas erstreckt, war ursprünglich ein Sumpf. Nachdem er trockengelegt war, baute man dort das Chorro-Aquädukt, die erste Wasserversorgung der Neuen Welt. Bis ins 18. Jh. jedoch waren der Platz am Rande der damaligen Siedlung und seine Umgebung ziemlich verrufen. Das änderte sich erst, als 1704 die Jesuiten hier eine kleine Missionskirche errichteten. Die Seitenschiffe und die Barockfassade kamen erst später hinzu - erst 1789 wurde der Bau beendet, und die Hauptkirche Havannas zog von der Plaza de Armas in die Kathedrale um. 1767 wurden die Jesuiten aus Cuba vertrieben, und die Fertigstellung der Kathedrale lief unter der Oberherrschaft des Königs von Spanien.



Von 1796 bis 1898 ruhten im Hauptschiff die Gebeine von Christoph Kolumbus. Am Ende ihrer Herrschaft nahmen die Spanier sie mit nach Sevilla (wo sie allerdings auch nicht blieben, denn der Entdecker reiste nach seinem Tod fast noch mehr als zu Lebzeiten).

An manchen Markttagen muß man sich stoischen Blicks einen Weg durch das Menschengewimmel auf den Platz und vorbei an den Ständen der Straßenhändler bahnen, um zu dem langen Arkadengang zur Rechten der Kathedrale zu gelangen. Er gehört zum 1740 errichteten Palast der Herzöge von Lombillo, in dem Anfang des 20. Jh. die Post eingezogen war - ein in die Wand eingelassener Briefkasten in Form einer griechischen Theatermaske erinnert noch daran. Direkt an den Lombillo-Palast schließt der um die gleiche Zeit entstandene Palast der Herzöge von Arcos an, in dessen Erdgeschoß sich eine Lithographiewerkstatt befindet (Taller Experimental Gráfica de La Habana).

Der Kathedrale gegenüber erhebt sich der Palast des Grafen von Bayona, in dem einst die Rumfabrik Havana-Club ihren Sitz hatte. 1720 im Auftrag des Militärgouverneurs Luís Chacón errichtet, ist der Palast das älteste Bauwerk am Platz. Heute zeigt hier das Museo de Arte Colonial in sieben Räumen ein Panorama der kreolischen Lebenskunst - kostbare Möbel, Spiegel, Porzellan. Ein Saal ist der besonderen Architektur Cubas gewidmet; hier sind Details des kolonialen Baustils ausgestellt, wie sie der Schriftsteller Alejo Carpentier in seinem Essay »Die Stadt der Säulen« beschrieben hat: kunstvoll geschmiedete Fenstergitter, bunte Glasfenster und die halbhohen Schwingtüren, die in keinem Kolonialhaus fehlten. Sie erlaubten der ersehnten Nachmittagsbrise, frei durch alle Zimmer des Hauses zu streichen, und boten trotzdem die Intimität eines »abgeschlossenen Raumes«. Das Eckgebäude links vom Kolonialmuseum ist das frühere Badehaus, die Casa de Baños i. Im 16. Jh. stand hier eine Zisterne, im 19. Jh. wurde das Badehaus gebaut. Die Fassade im neobarocken Stil wurde erst 1931 hinzugefügt. Heute sind hier eine Kunstgalerie und ein Laden für Kunsthandwerk eingerichtet.

Im ehemaligen Palast des Grafen von Aguas Claras standen Anfang des 20. Jh. die Tische des berühmten Restaurants »Paris«, dann wieder stellte die Industriebank in den hohen Hallen ihre Schalter auf, und 1963 eröffnete schließlich das Restaurant El Patio, das bis heute geblieben ist: Auf der überdachten Terrasse spielt häufig ein Son-Ensemble, an den Tischen bleibt man nur allein, wenn man es unbedingt will. Nebenbei bekommt man allerlei vom Schwarzmarkt angeboten, meistens Zigarren oder Rum.



Nur wenige Schritte von der Kathedrale zweigt die Calle Empedrado ab - sie heißt so, weil sie als eine der ersten Straßen Havannas ein Kopfsteinpflaster hatte. Hier liegt die legendärste Kneipe Cubas: La Bodeguita del Medio. Ursprünglich nahmen hier die Arbeiter aus den umliegenden Druckereien ihr Mittagessen ein, doch bald zog die Bodeguita auch Dichter und Intellektuelle magisch an. Heute drängen sich vor allem Touristen an der berühmten Bar. Ernest Hemingway war in Sachen Cocktails Experte, und der Mojíto aus der Bodeguita war sein Lieblingsdrink (doch den Daiquirí aus der Floridita verachtete »Papa« Hemingway auch nicht).

Quelle: www.cuba-erleben.de

Info
Kuba | Havanna
Eingeordnet unter "Sport und Aktivitäten"
geschrieben von katha
am 31.10.2006
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